Vegan Wedding

Unsere Hochzeit, bei uns zu Hause am Schöllerhof, war ein wirklich wunderschönes Fest, das wir bestimmt nicht vergessen werden. Unser veganes Büffet hat sogar eingefleischte Skeptiker begeistert.

"Ich bin nicht aufgeregt!"
Habe ich am Abend davor gedacht.

Als ich nach unruhigen 90 Minuten Schlaf einfach kein Auge in dieser Nacht mehr zumachen konnte, musste ich einsehen, dass es wohl doch anders um mich bestellt ist. Es war eine endlos lange, anstrengende Nacht, in der ich einfach nicht mehr einschlafen konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit brachen an diesem Januarmorgen endlich die ersten roten Sonnenstrahlen durch das Fenster unseres abgeschiedenen Hauses im Wald. Nun war nun also tatsächlich dieser eine Tag. Der Tag, über den man schon im Kindesalter philosophiert, wild fantasiert und sich ausmalt, wie er genau auszusehen hat:
Der Tag unserer Hochzeit.

Wir hatten uns dazu entschieden, bei uns zu Hause am Schöllerhof zu heiraten. Warum unser Haus einen Namen hat, das weiß ich nicht. Es ist das einzige Haus in der Gegend. Keine Nachbarn, kein Hausnummernschild, nur Eulen, die man in der Dunkelheit aus dem Wald rufen hört. Vor vielen hundert Jahren, so sagt man, haben Mönche in diesem Haus gewohnt. Sie waren im Altenberger Dom ansässig. Ein wunderschöner und riesiger Dom, stolzer Besitzer der größten Kirchenfenster nördlich der Alpen und unser nächster Nachbar, etwa zehn Minuten Fußmarsch durch einen urigen Wald entfernt.

Unsere Hochzeit sollte zu Hause stattfinden, denn es ist der Ort, an dem wir uns am wohlsten fühlen und der uns am meisten entspricht. Wir wollten ein harmonisches, ungezwungenes und persönliches Fest ausrichten, das widerspiegelt, was wir gerne mögen und wofür wir stehen. Ein Fest, auf dem sich unsere Gäste und wir uns wohl und geborgen fühlen. Ein Fest, das unsere Verbundenheit repräsentiert, ohne aufgesetzt zu sein. Ein Fest ohne große Schikanen, ohne große Show und ohne den Zwang Traditionen erfüllen zu müssen, die wir nicht erfüllen möchten. Am Schöllerhof wollten wir feiern, dass wir Glück hatten, uns getroffen zu haben, dass wir uns so gut verstehen, einander ergänzen, dass wir uns unterstützen, helfen, füreinander einstehen und unglaublich froh sind, dass wir uns haben. So sehr, dass wir uns nicht mehr verlassen wollen.

Schon am Morgen kamen unsere Gäste. Eine übersichtliche Gruppe, bestehend aus fünfzig der engsten Verwandten und Freunde sowie ihren Kindern. Mit Treckern ging es zum Alten Forsthaus, das ehemalige Jagdhaus unseres Prinzen. Der Prinz und dessen Familie leben immer noch in unserer Nachbarschaft. Stilecht, wie sich gehört, in einem großen, gelben Schloss mit Türmchen, umgeben von Wäldern. Am Fuße des adeligen Anwesens lebt: Der Bauer. Ein kräftiger Kerl, der in unserer Gegend die Felder pflügt und mehr Feuerholz auf einmal tragen kann, als ich es je schaffen werde.

Unsere Trauung im Alten Forsthaus verlief so, wie es mir erhofft, gewünscht und im besten Fall vorgestellt hatte. Ein ruhiger, besinnlicher Akt, der nur uns gehörte und den meine Tante, ein professionelle Musikerin, mit einer schönen Geigenmelodie untermalte.
Mein Trauzeuge Ken hatte sich vorgenommen, die Trauungsurkunde mit "Luke Skywalker" zu unterschreiben, was ich für eine hervorragende Idee hielt. Als dann aber der Moment der Trauung kam, war er genauso aufgeregt wie ich, und sein Mut verließ ihn wieder...

Das Wetter an diesem Tag war einfach prächtig. Die Luft wunderbar klar, der Himmel tiefblau und die Sonne strahlte ohne Unterbrechung. Zurück auf unserem Hof waren Kinder vom Bauernhof aus der Nachbarschaft mit ihren Ponys gekommen. Sie ließen die Kinder unserer Gäste ein bisschen reiten, während alle anderen gemütlich um mehrere große Lagerfeuer und Feuerschalen saßen.


Kokos-Linsen-Suppe, Marzipantorten und Glühwein

Über dem Feuer hatte ich einen riesigen Topf Kokos-Linsen-Zitronen-Suppe gekocht, die bereits in der klaren Winterluft dampfte als wir ankamen. Außerdem gab es einen alkoholfreien Glühwein, selbstgemacht aus Orangen, Kirschen, Anis, Nelken und Zimtstagen. Das Schöpfen von Suppe oder Wein aus den großen, dampfenden Töpfen erinnerte mich an ein Fest im Dorf von Asterix & Obelix, weswegen ich es umso schöner fand.

Für den gesamten Tag hatten unsere Freunde verschiedene Helfer-Teams gebildet. Damit hatten wir als Hochzeitspaar den Rücken frei und durch die geteilten Verantwortlichkeiten waren unsere Freunde noch mehr Teil der Hochzeit. Es gab ein Team Fackeln & Feuer, das dafür sorgte, dass stets genügend Feuerholz bereitlag, ein Team Suppe, das die Suppe rührte und anbot, Team Kerzen, Team Feuerwerk, Team Kuchen usw. Für uns war es eine tolle Hilfe und ich ein bisschen hatte den Eindruck, dass es den Teams ein auch Spaß gemacht, sich für ihre Aufgabe zu engagieren.

Für den Nachmittag hatten viele Gäste selbstgemachte Kuchen mitgebracht. Es gab eine tolle Mischung veganer Marzipantorten, glutenfreier Apfelkuchen, Rhababerkuchen, Zitronenkuchen uvm. Unglaublich lecker und vielseitig.

Als das Blau des Himmels immer tiefer wurde und sich die Dunkelheit über die Tannen legte, sind wir zu einer Waldwanderung aufgebrochen. Alle hielten leuchtende, flammende Fackeln in den Händen, sodass der Wald von vielen warmen Lichtern durchflutet wurde. An einer Lichtung haben wir angehalten undunter dem klarem Sternenhimmel viele Himmelslichter aus Kerzen und Pergament steigen lassen und damit unsere Wünsche und Hoffnungen zu den Sternen geschickt. Auf dem Waldboden dampften unsere Fackeln, die Sterne funkelten und unsere Himmelslichter stiegen leise empor. Wenn man seine Wünsche so liebevoll behandelt, können sie nur in Erfüllung gehen.

Der Schöllerhof erwartete uns mit vielen behaglichen Fackeln und Lichtern und unserer Freundin Eva, die mit ihrer wirklich außerordentlich schönen Stimme einige Lieder sang, während wir uns wärmten und die Kinder Marshmallows auf Stöckern ins Feuer hielten.

In unserem Wohnzimmer, das wir mit warmweißen Ballon-Lichterketten und vielen weißen Kerzen dekoriert hatten, bogen sich mittlerweile lange, weiße Tafeln unter der Last von großen marrokanischen Tonschalen, gefüllt mit den leckersten Zutaten. Ich konnte es kaum abwarten das Abend-Büffet zu eröffnen, denn ich hatte die Menükarte seit Wochen auf meinem Schreibtisch liegen und freute ich mich riesig auf diese vegane Wundertafel.

Wir hatten uns für etliche rohe und natürliche Zubereitungen entschieden und kaum Sojaprodukte verwendet. Der Grund dafür ist, dass wir unbehandelte, frische Pflanzen und Obst am liebsten essen und uns Fleischersatz aus Soja in der Regel nicht besonders schmeckt. So war es eine große Freude, ein derart tolles, veganes Büffet zu haben, von dem wir ohne Einschränkungen essen mochten. Es sah nicht nur wundervoll aus, es schmeckte unglaublich lecker. Noch viel schöner war aber zu erfahren, dass unser Menu bei unseren Gästen riesig ankam. Alle waren wirklich begeistert, insbesondere diejenigen, die sich nicht vegan ernähren und sie waren überrascht, wie vielseitig wir essen, wie frisch und lecker die Speisen sind. Wie lecker es war, zeigt wohl, dass weder unsere Freunde noch wir Bilder vom Essen gemacht haben. Alle waren einfach zu sehr mit dem Essen beschäftigt.
 

Abend-Büffet

In den Tonschalen war geschmackvoll dekoriert:

  • Möhren mit Orange, Zimt und Korinthen
  • Endiviensalat mit Granatapfel-Linsen und Kartoffelcroutons
  • Champignons mit fünferlei Kräutern 
  • Sauerkraut mit Radicchio und Birnen
  • Rotkohl mit Sesam und Ingwer
  • Thymian-Bohnen, Oliven, Peperoni und Avocado
  • Roter Quinoa mit gelber Paprika und Gurke
  • Nudel-Nuss-Salat mit Kresse
  • Fenchel mit Feigen und Backpflaumen
  • Kichererbsenmousse und rote Bete
  • Feldsalat mit Äpfeln und Walnüssen
  • Süßkartoffeln und Wintergemüse aus dem Ofen
  • Auberginen unter geschmolzenen Tomaten
  • Grüner Pastasalat mit Ratatouille
  • Dattel-Mandel-Tabouleh
  • Teriyaki-Tofu mit Chicoree, Paprika und Erdnüssen
  • Semmelklöße auf Caesar-Salad
  • Gebratener Kohlrabi und Sellerie
  • Erbsenmousse und Zuckerschoten
     
  • Apfelkompott mit Holunderblütensirup
  • Südseeobstsalat mit Limette und Chili
  • Buntes Crumble
  • Türkischer Muskatkürbis
  • Joghurtmousse mit Ahornsirup und Mandelkrokant


Über Geschmack lässt sich streiten, aber diese Auswahl war einfach wunderbar und eine hervorragende Inspiration. Alle genossen das bunte Menü und wurden sehr satt, ohne im Anschluss das Gefühl zu haben, sich hinlegen zu müssen, weil das Essen zu schwer war.

Star Wars Hochzeitstorte

Später am Abend, nachdem viele Bilder in unserer Selfie-Box geschossen wurden, wir am Lagerfeuer, am Kamin und überall im Haus saßen und so viele Gespräche geführt hatten, schnitten wir endlich unsere Hochzeitstorte an, auf die ich mich so sehr gefreut hatte. Ein süßer Klassiker, in jeder Hinsicht, von mir völlig selbstlos an einem meiner Lieblingsfilme orientiert: Star Wars. Oben auf der Torte trug ein Darth Vader aus Marizpan extra einen Hochzeitssmoking. Der Schleier seiner Braut ragte, und das fand ich besonders toll, von der dritten Etage auf die zweite Etage der Torte hinunter. Natürlich fehlte auch nicht der Todesstern sowie viele Jedi-Symbole, Sterne usw.

Auf drei Etagen gab es:

1 Etage: Saftiger Schokoboden mit einer Pistaziensahnecreme und gehackten Pistazien
2 Etage: Vanillebisquit mit einer Cheesecakefüllung und Himbeeren
3 Etage: Red Velvet mit einer Lavendelfüllung und Waldbeeren

Die Torte war fast zu schön, um sie anzuschneiden. Ein richtiges Kunstwerk und dazu grandios lecker. Glücklicherweise war sie so groß, dass ich mich noch Tage später einer strengen Tortendiät unterziehen konnte.

Mit einem bunten Feuerwerk verabschiedeten wir nachts unsere Gäste im Garten. Edith, die gute Seele des Schöllerhofs, wäre fast noch samt Raketen in die Luft geflogen. Das Feuerwerk war wohl etwas größer, als wir erwartet hatten ... Ist sie dann aber zum Glück doch nicht. :)

Sehr dankbar für diesen schönen Tag, für unsere Freunde und Familien, die uns so sehr geholfen haben und ohne die wir diese Hochzeit zu Hause nicht so hätten feiern können, fielen wir glücklich unser Bett.

Man sagt von Hochzeiten "der schönste Tag des Lebens". Uns war dieser Gedanke immer eine Nummer zu groß und der Druck, dies erreichen zu wollen, zu hoch. Wir haben uns entschieden für immer zusammenzubleiben und das wollten wir durch eine Zeremonie feiern. Trotzdem wollten wir dem Fest nicht durch große Gesten oder viel Luxus seinen Glanz geben. Uns sollte es immer um das gute Gefühl und die Bedeutung gehen, das stand im Mittelpunkt. Wir haben einen Rahmen gewählt, der möglichst gut zu uns als Paar passt und in dem wir uns wohl fühlen. In unseren privaten Räumen, mit einen kleinen Kreis aus Verwandten und Freunden, wo sich alle heimisch fühlen und ungezwungen den Tag mit uns verbringen können. So spiegelte dieser besondere Tag ganz viel von dem wider, was wir gerne mögen und wofür wir gemeinsam stehen. Wir sind sehr dankbar, dass das Wetter uns so unterstützt hat (wer ist schon so wahnsinnig, heiratet Anfang Januar und verbringt dann noch die meiste Zeit im Garten!?) und das wir so viele liebe Freundinnen, Freunde und Verwandte haben, die uns überall geholfen haben. Wir konnten so einen unvergesslichen Tag verbringen, auf dem wir nichts als Verpflichtung empfanden, sondern alles genau so taten, wie wir es tun wollen, ohne den Druck zu haben, gefallen zu müssen oder Konventionen zu entsprechen. Ich finde, genau darauf sollte man im Leben seinen Schwerpunkt setzen. Mit unserer Feier haben wir für dieses Ziel einen schönen Grundstein in unserem gemeinsamen Leben gelegt.


 


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