Schmerz überwinden – Leben genießen

Aufgrund einer Gelenkerkrankung darf ich keinen Sport treiben.
10 Jahre lang habe ich mich an den Rat der Ärzte gehalten. Dann habe ich mir etwas einfallen lassen. Mein Leben hat sich dadurch auf den Kopf gestellt. Schau ob dir mein Weg eine Hilfe ist. 
 

Nie wieder Sport

Du möchtest raus gehen und laufen, aber deine Knie spielen nicht mit? Du gehst laufen, aber du spürst ein Stechen und Schmerzen in deinen Knien und brichst ab? Du willst laufen, aber du darfst nicht, weil du Knieprobleme hast?

Diese Probleme kenne ich.

Ich darf nicht laufen. Gar nicht. Auf keinen Fall.

Ich darf weder laufen, noch schwimmen, noch Ski fahren.

Aufgrund einer Gelenkkrankheit darf ich überhaupt keinen Sport machen. Nie wieder.

So sagten es mir zumindest meine Ärzte in der Nachbehandlung einer Operation vor vielen Jahren. Mein Gelenkknorpel war zerschlissen und tot. So sehr, dass kein Knorpel je wieder nachwachsen sollte.
Es war sogar sinnlos Knorpel künstlich zu züchten und ihn wieder einzupflanzen. Auch künstlicher Knorpel braucht eine Möglichkeit, um sich im Gelenk anzusetzen. Bei mir war aber so viel Knorpel abgestorben, dass auch künstlicher Knorpel nicht mehr hätte anwachsen können.


10 Jahre habe ich mich gar nicht bewegt. Mit den entsprechenden Folgen für Körper und Geist.


So hielt ich mich über zehn Jahre an den Rat der Ärzte und trieb keinen Sport.

 

Britney Spears und Aftershow-Parties

Stattdessen arbeitete ich an meiner Karriere als Talentscout für große Plattenfirmen, die Britney Spears, die Backstreet Boys und Justin Timberlake unter Vertrag nahmen.
Ich hatte Freunde, eine schöne Wohnung, machte Urlaube und verdiente genügend Geld. Eigentlich war alles in Ordnung, doch trotzdem fühlte mich oft müde und irgendwie orientierungslos. Der Alltag erschöpfte mich und seine Herausforderungen langweilten mich. Nach außen lebte ich ein seichtes Leben zwischen Business Meetings, After-Work-Partys, Shopping und Brunch. Innen fühlte ich mich jedoch eher wie ein Zombie, gefangen in einem reizarmen Alltag der geprägt war von Geld einnehmen, Geld ausgeben und Konsum.

Eines Abends pfiff ich auf den Rat der Ärzte, ging ich vor meine Berliner Haustür und begann zu laufen.

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Es war ein kurzer, ganz langsamer Lauf. Völlig normal für viele. Für mich aber war es absolut ungewohnt. Die Luft dort draußen, die untergehende Sonne, die Bewegung und ganz besonders, das entspannte Gefühl nach dem Lauf: Es fühlte sich frisch und gesund an und es fühlte sich an, wie das Gegenteil von allem was ich sonst machte. Ich fühlte mich wie neu geboren, ich fühlte mich am Leben. Ausgeglichen und irgendwie frei.
 

      Nie hätte ich gedacht, dass Glück so einfach zu finden ist.


Das klingt pathetisch, aber ich fühlte mich tatsächlich frei. Dabei war ich doch einfach nur ein bisschen an der frischen Luft laufen! Nie hätte ich gedacht, dass man etwas Glück so einfach finden kann.

 

Kein Sport - nie wieder - Part 2

So bin ich immer wieder Laufen gegangen, weil ich mich immer wieder so gut fühlen wollte.
Je besser ich trainiert war, desto leichter fiel mir das Laufen. Je leichter es mir fiel, desto mehr Spaß machte es mir. Ich fühlte mich frei wie ein Adler und schwebte nur so ich über den Berliner Asphalt. Es fühlte sich großartig an.

Lange dauerte es jedoch nicht, bis sich meine Gelenke zurückmeldeten und mich daran erinnerten, dass ich eher Patient einer Reha-Station, statt schwebender Adler war.
Meine Knie stachen und schmerzten und gaben mir das Signal, dass diese Belastung nicht das Richtige für mich ist.

Was sollte ich nun tun?

Das Laufen tat mir gut. So sehr, dass es mein gesamtes Leben positiv beeinflusste und mich zu einem ausgeglichen, optimistischen Menschen machte.  Ich wollte auf keinen Fall in meinen alten Lebensrhythmus zurückkehren. Daher überlegte ich mir umgehend Alternativen:


Das beste Ganzkörpertraining

Ich versuchte Inline-Skating, doch die Scherbewegung der Beine verursachte bei mir ebenfalls Knieschmerzen (zum Glück, denn ich hasse Inline-Skating!).

Ich ging mit Skistöcken joggen, um mit den Armen die Belastung der Knie abzufangen. Auch hier bekam ich Knieschmerzen.

Ich probierte Nordic Walking, doch selbst wenn ich versuchte, möglichst schnell zu gehen, war die Intensität zu gering. Ich bekam zwar keine Knieschmerzen, aber ich hatte auch keinen Trainingseffekt. So machte es keinen Spaß, ich fühlte mich unterfordert.

Ich probierte einen Crosstrainer im Fitness-Studio aus. Für die Gelenke war es super, aber für den Geist war es eine Tortur. Um mich von der Monotonie des Fitness-Studios abzulenken, sollte ich auf einem Fernseher RTL News oder eine MTV Reality Show gucken. Was war das geringere Übel: Die Reality-Show, RTL News oder die gelbe Wand des Fitness-Studios anzustarren? Ich konnte mich nicht entscheiden, wusste aber, dass ich keine Lust hatte auf diese Art meine Freizeit zu verbringen. Erfrischung, positive Vibes und schöne Lauferlebnissen waren hier definitiv nicht zu finden.
 

Mein Herz-Kreislauf-System und die Muskulatur des gesamten Körpers sollten mit nur einem Trainingsmittel gleichzeitig trainiert werden.
Und es musste verträglich für die Knie sein!
 

Ich wollte an frischer Luft meine Ausdauer trainieren, weil ich hierbei zu einem ausgeglichen, entspannten Zustand gelangte, anders als nach Krafttraining oder einem Ballspiel. Es sollten so viele Muskelgruppen wie möglich am Training beteiligt sein und natürlich sollte es meine Kniegelenke schonen.
 

Die Idee zu Gehen und einen Reifen zu ziehen.


So kam ich auf die Idee zu Gehen und dabei einen Reifen hinter mir herzuziehen, der mit einem Seil an meiner Hüfte und meinen Schultern verbunden ist. Mit Skistöcken wollte ich mich dabei vom Boden abdrücken.


4 gute Gründe für das Reifentraining

Welche Vorteile hat das Reifentraining?

-       Im Gegensatz zum Laufen gibt es beim Gehen keine Flugphase. So wird die traumatische Belastung für das Kniegelenk, wie sie beim Laufen entsteht, unterbunden und das Gelenk geschont.

-       Durch die Reifen, die ich ziehe, ist die Intensität so hoch, als würde ich laufen. Ich gehe, schone so meine Kniegelenke, bewege mich aber in einem Intensitätsbereich, als wenn ich laufen würde.

-       Die Stöcke in den Händen helfen mir nicht nur beim Vorwärtskommen. Indem ich mich mit ihnen abdrücke, trainiere ich auch meine Arme, meine Schultern und meine Brust.

-       Ich trage einen Gurt der durch ein Seil mit dem Reifen verbunden ist. Der Gurt führt um meine Hüfte, aber auch, ähnlich wie bei einem Rucksack, um meine Schultern. So wird die Belastung auf meinen gesamten Oberkörper übertragen, den ich durch das Ziehen ebenfalls trainiere (den Unterkörper trainiere ich ja ohnehin).
 

"Die Knieschmerzen waren verfolgen."
 

So wird das Reifenziehen für mich das beste Ganzkörpertraining.
Es trainiert das Herz-Kreislaufsystem und, anders als Laufen oder Radfahren, die Muskulatur des gesamten Körpers. Die Knieschmerzen waren verflogen - anders als bei allen anderen Sportarten, die ich bis dahin ausprobiert hatte.

 

Wie wichtig ist dir, was andere über dich denken?

Du denkst dir sicher „Ok, eine witzige Idee, aber ich mache mich doch nicht zum Idioten und zeige mich mit einem Reifen im Schlepptau der Öffentlichkeit.“
 

 "Ich mache mich doch nicht zum Idioten!"
 

Dasselbe habe ich gedacht. Aber weißt du was? Mein Leben ist mir zu wertvoll und zu kurz, als das ich mich in erster Linie daran orientiere, was andere über mich denken. Ich will jetzt leben, nicht auf Moden warten, um mich dann erst ihnen anschließen zu können. Ich will das machen womit ich glücklich bin, solange es nicht anderen Lebewesen oder der Umwelt schadet.

Durch das Training mit den Reifen wurde mir eine neue Welt eröffnet: Aus einer deprimierten, gelangweilten und lethargischen Couchpotatoe wandelte ich mich. Ich wurde aktiv und lebensfroh.
Ich wurde so fit, dass mir kaum noch Grenzen gesetzt waren. So hatte ich den Mut Träume zu verwirklichen, an die ich bis dahin nicht mal zu denken wagte:

Ich trainierte mit den Reifen und stellte meine Ernährung um. Ich wurde schlanker, kräftiger und bekam immer mehr Kondition. So bestieg ich die höchsten Berge Europas wie den Grand Combin und den Mont Blanc und ich erlebte dort tolle, fremde Gegenden und Naturschauspiele.
Ich durchquerte mit Zelt und Schlitten menschenleere Eiswüsten durch Wind und Schnee, ich durchquerte die höchsten Gebirge Nordeuropas, wie Rondane und Jotunheimen und schlief auf Berggipfeln unter dem Sternenhimmel.
Ich hatte Zutritt zu ungeheuren Welten, sah seltene Tiere und erlebte faszinierende Naturereignisse. Welten, die ich niemals ohne genügend Kraft und Kondition erlebt hätte. Momente, für die es sich lohnt morgens rechtzeitig aufzustehen, vor die Tür zu gehen und sich für sie einzusetzen.

Durch meine erfolgreichen Touren gewann ich an Selbstvertrauen und merkte, dass ich meine Ziele erreichen kann. Durch mein Training wurde ich im Alltag frisch, aktiv, ausgeglichen und fühlte mich erholt.

Das Training verschaffte mir nicht nur Wohlbefinden, das Ziel vor Augen steigerte nicht nur meine Lebensqualität, die Abenteuer erweiterten nicht nur meinen Horizont: Die Verbindung aus gestärktem Selbstvertrauen, höherer Leistungsfähigkeit und dem Mut meine Ziele zu realisieren, wirkten sich auch auf mein Berufsleben und meine Karriere aus.
 


                  "Körperliche Fitness und das ich meine privaten Ziele erreichte, stärkte mein Selbstvertrauen. Dies half mir ganz besonders bei der beruflichen Karriere und wie ich ab jetzt mein Leben gestaltete."



Ich hatte den Mut, mich durchzusetzen und Entscheidungen zu treffen. Ich vertraute mir mehr und ich war belastbarer. Letztendlich hatte ich sogar den Mut meinen Beruf zu kündigen, um mit etwas ganz Neuem zu beginnen, das mit sinnvoller erschien.

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"Wenn ich vor meinen kaputten Gelenken kapituliert hätte, so hätte ich diese Erfahrungen und Erlebnisse nicht gemacht. Ich wäre ein anderer Mensch geblieben."

"Wenn ich das Reifenziehen nicht begonnen hätte, aus Angst, dass ich ausgelacht werde, hätte ich diese Abenteuer und ihre Wirkung auf mich nicht erlebt. Mein Leben hätte eine andere Qualität behalten."

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Mach dir keine Sorgen

Meine Einschätzung, dass ich ausgelacht werde, war falsch. Wenn ich mein Reifentraining mache, so werde ich immer freundlich von Spaziergängern und Passaten angesprochen. Die Menschen reagieren unerwartet offen, gehen ein Stück mit mir mit, stellen Fragen und erzählen mir aus ihrem Leben. In keiner anderen Situation sind mir fremde Menschen so zugewandt wie beim Reifenziehen.

Ich wurde hunderte Male fotografiert, ich wurde sogar schon in Öl gemalt, habe Autogramme an einen ganzen Bus mit Polizisten gegeben und viele nette Menschen kennengelernt. Um ehrlich zu sein, einige Klatschen sogar, wenn sie mir sehen und glauben, ich sei überaus stark. Das ist aber Quatsch, denn so schwer ist es auch nicht Reifen hinter sich herzuziehen.

 

Mach was dich glücklich macht! Es geht darum, wohin es dich führt.

„Reifen ziehen? Das ist ja total stumpf!“

Manchmal habe ich Sprüche wie diesen gehört. Ich konnte allerdings noch nie nachvollziehen, dass bestimmte Sportarten, Musikinstrumente etc. wertiger als andere sein sollen.
Ist Schlagzeugspielen weniger wertvoll als Klavierspielen? Ist Zeitunglesen weniger wertvoll als Buchlesen? Ist Country weniger wertvoll als Klassik? Ist es wertvoller eine Hantelscheibe hoch zu heben, statt einen Gummitreifen weit zu ziehen?

Es geht nicht darum, ob du an einer Gitrarrenseite zupfst, mit einem Stock auf ein Trommelfell schlägst, ein Pedal drückst oder einen Ball trittst. Es geht nicht darum, ob du einen Reifen ziehst oder ein Gewicht hebst.

Es geht darum, was es in dir auslöst, was es mit dir macht und wohin es dich bringt.

Mir hat es eine neue Welt eröffnet.

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Dein Gregor