Lektionen des Todes | transcript

LEKTIONEN DES TODES

TRANSCRIPT DER MONTAG MIKRO SCHRITTE | EPISODE 13

 LEKTIONEN DES TODES | TRANSCRIPT MONTAG MIKRO SCHRITTE EPISODE 13

LEKTIONEN DES TODES | TRANSCRIPT MONTAG MIKRO SCHRITTE EPISODE 13


"SCHAU DICH UM. DENN ALLES WIRD EINES TAGES DAS LETZTE MAL SEIN."


Heute will ich über ein Thema sprechen, über das wir alle nachdenken und uns gleichzeitig die größte Mühe geben, nicht darüber nachzudenken.

Das Thema ist Tod. Und wie es sich verändert, wie wir über den Tod denken, abhängig davon, ob wir daran denken, dass wir selber sterben oder ob es darum geht, dass wir jemanden verlieren, der uns nahe steht. Aber ganz egal, welche Seite der Medaille wir hier wählen, der Tod ist eine Realität für uns, die immer da ist. Das ist so, ganz egal, ob wir daran denken oder nicht.

Er macht immer auf sich aufmerksam. Im Hintergrund. In den Nachrichten. In den Geschichten, die wir über das Leben von anderen hören. In unseren Sorgen über unsere Gesundheit. In der Aufmerksamkeit, die wir haben, wenn wir über eine vielbefahrene Straße gehen.

Wenn du dich selbst genau beobachtest, dann siehst du, dass du eine beachtliche Portion an Energie pro Tag darauf verwendest, zu versuchen nicht zu sterben.

Nimm dir mal einen Moment Zeit um zu überlegen, wie du den Tag heute bisher verbracht hast. Denk mal an die Sachen, denen du heute deine Aufmerksamkeit geschenkt hast. Denk mal an die Sachen, über die du dir heute Sorgen gemacht hast. Denk mal an die letzte Diskussion, die du mit deinem Partner hattest. Denk mal an die letzte Stunde, die du in sozialen Netzwerken verbracht hast.

Bevor ich diesen Clip gemacht hab, hab ich zum Beispiel richtig viel Zeit damit verbracht, eine andere Schrift für den Trailer der Montag Mikro Schritte zu finden. Das hat mich Stunden meiner Zeit gekostet.

Wenn du mich gestoppt hättest, zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten 48 Stunden, und mich gefragt hättest, was ich gerade mache, was mich wirklich beschäftigt, welches tiefgreifende Problem ich gerade versuche zu lösen, an welcher Lösung ich gerade arbeite, um Ordnung in meine Ecke des Universums zu bringen... Die ehrliche Antwort wäre gewesen: Ich suche nach eine Schrift.

Also, ich sage nicht, dass alles, was wir tun tiefgreifend sein muss, zu jedem Moment. Manchmal musst du halt eine Schrift finden.
Aber, mal die Kürze des Lebens zu betrachten, bringt einem die Perspektive, wie wir auf unsere Aufmerksamkeit lenken sollten.

Es geht gar nicht so sehr darum, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Wie gesagt, niemand verbringt den gesamten Tag ausschließlich mit tiefgreifenden Aufgaben. Es geht um die Qualität unserer Aufmerksamkeit, bei allem was wir gerade machen. Es geht darum, wie wir uns dabei fühlen.
Wenn du dich in der nächsten Stunde damit beschäftigst eine Schrift zu suchen, dann genießt du das vielleicht.

Die Wahrheit ist, niemand von uns weiß, wie viel Zeit wir haben, in diesem Leben.

Und sich diesen Fakt zu Herzen zu nehmen, bringt eine emotionale und moralische Klarheit und Energie ins Hier und Jetzt. Oder, das kann es zumindest. Und es kann die Entschlossenheit bringen, sich nicht über jeden Quatsch aufzuregen und nicht wegen jeder Kleinigkeit zu leiden.

Nehmen wir  zum Beispiel mal Ärger im Straßenverkehr. Das ist womöglich die Quintessenz von falsch verwendeter Energie: Du lenkst gerade dein Auto. Und jemand vor dir, der fährt dir zu langsam. Und du merkst, dass du ärgerlich wirst.

Also, ich wüsste haargenau, wenn du dir über die Kürze des Lebens bewusst wärst... Wenn dir bewusst wäre, dass du sterben wirst. Und das die andere Person sterben wird. Und das ihr beide alle verlieren werdet, die ihr liebt. Und ihr wisst nicht wann...

Du hast diesen Moment. Diesen wunderschönen Moment. Wo dein Geist ganz klar ist. Wo dein Geist nicht vernebelt ist durch Schmerzmittel. Im Krankenhaus. An deinem letzten Tag unter den Lebenden. Und die Sonne scheint. Oder es regnet. Beides ist schön. Und dein Partner ist am Leben. Und deine Kinder sind am Leben. Und du fährst Auto. Und du bist nicht in einem Schurkenstatt, wo Menschen verschleppt und zu Tausenden ermordet werden. Du fährst bloß Auto. Und die Person vor dir, die du niemals treffen wirst. Über dessen Hoffnungen und Sorgen du kein bisschen etwas weißt ...  Aber würdest du sie kennen, dann würdest du beeindruckt feststellen, wie ähnlich sie sind mit deinen Hoffnungen und Sorgen... Diese Person, fährt einfach langsam...

Das hier, das hier jetzt, das ist dein Leben. Das einzige was du hast. Und du wirst diesen Moment nie wieder bekommen. Und du weißt nicht, wie viele Momente du noch haben wirst...

Ganz egal wie häufig du etwas machst, der Tag wird kommen, wo du es zum letzten Mal machst.

Du hattest tausend Chancen, um den Menschen in deinem engen Zirkel zu sagen, dass du sie liebst. Auf eine Art, dass sie es fühlen. Und auf deine Art, dass du es fühlst. Und du hast die meisten verpasst. Und du weißt nicht, wie viele Chancen du noch bekommen wirst.

Du hast jetzt die nächste Interaktion mit einem anderen Menschen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Du hast diese Möglichkeit, um im Hier und Jetzt, in deiner Zeit, zufrieden zu sein, zu leben. Also, wieso nicht relaxen und dein Leben genießen? Wirklich relaxen. Sogar im Dunstkreis von Kampf und Stress. Sogar, wenn du hart arbeitest. Sogar, wenn du in Unsicherheit bist.

Du bist in einem Spiel. Und du kannst die Uhr nicht sehen. Du weißt also nicht, wie viel Zeit dir noch bleibt. Und du hast die Freiheit, das Spiel so interessant wie möglich zu machen! Du kannst sogar die Spielregeln ändern. Du kannst neue Spiele entdecken, an die noch niemand vorher auch nur gedacht hat. Du kannst Spiele, die immer als unmöglich galten, plötzlich möglich machen und andere dazu bekommen, sie mit dir zu spielen.

Du kannst buchstäblich eine Rakete bauen und daran arbeiten zum Mars zu fliegen und dort eine zu Kolonie gründen. Es gibt wirklich Menschen, die einen Teil des heutigen Tages damit verbringen das zu tun.
Aber was auch immer du tust. Wie gewöhnlich und langweilig das auch erscheinen mag, du kannst den Druck des Lebens spüren. Und wie überraschend es enden kann.

Und sich bewusst sein, dass der Tod kommt, vielleicht in zwei Jahren, vielleicht nächstes Wochenende, vielleicht heute Abend... Sich bewusst machen, dass der Tod kommt, ist die Eingangstür für ein bewusstes Leben.

Schau dich um! Schau, was gerade da ist, auch wenn’s nicht perfekt ist. Denn wenn du zurückschaust, erinnerst du dich an ganz andere Dinge, als du erwartet hättest:

Du siehst Erfolge und gemeinsame Momente. Viel mehr als die Anstrengungen und Kämpfe. Du siehst manche kleinen Dinge, die du heute vermisst und du siehst, wie viel Großes dabei war. Sachen, die sich damals gar nicht so angefühlt haben, weil sie selbstverständlich schienen und garantiert und immer während.

Du siehst, wie viel Glück du hattest. Du siehst, wie dir die schweren Zeiten später geholfen haben, weil du viel aus ihnen gelernt hast. Und wie viel schönes es gab, links und rechts neben den Problemen.

Schau dich um. Denn eines Tages wird alles das letzte Mal sein.

Eines Tages wirst du deinen Weg zur Arbeit oder Uni das letzte Mal gehen. Eines Tages wirst du den Weg zu deinen Eltern das letzte Mal fahren. Eines Tages wirst du zum letzten Mal den Kuchen oder die Spagetti von deiner Mutter essen. Zum letzten Mal die Laufschuhe zuschnüren. Deinen Hund streicheln. Mit deiner besten Freundin telefonieren. Deinem Kind den Schulranzen packen. Zusammen mit deiner Mannschaft trainieren. Am Strand liegen. Im Schnee stehen. Die Abendsonne sehen.

Und selbst deine Erinnerungen an die meisten Dinge werden verblassen.

Es gibt da immer etwas Gutes, Unwiederbringliches, Wertvolles. Schon jetzt. Nicht erst, wenn X erreicht oder Y endlich anders ist.

Koste es aus, solange es da ist und wirf dein ganzes Herz hinein.

Denn eines Tages wird es das letzte Mal sein.


Ich hoffe, diese Gedanken können dir eine Hilfe sein. Wenn du denkst, dass es eine Inspiration für deine Freunde sein könnte, teile diese Text im Netz! 

Das Video zu diesem Transcript kannst du hier anschauen:
LEKTIONEN DES TODES | MONTAG MIKRO SCHRITTE EPISODE 13

Alles Gute,

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